Vergebung

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Immer wieder lese ich, dass wir anderen und uns selbst vergeben sollen, damit unsere Seele und unser Herz Frieden finden können. Funktioniert das ?

Vergebung ist ein Relikt aus dem Fischezeitalter, wo es noch darum ging, sich mit etwas zu be-lasten (fehlerhaftes Verhalten, Sünden), um sich dann wieder zu ent-lasten und sich gut zu fühlen. Um sich zu belasten, muss man also erst einmal einen Fehler begehen und diesen dann auch als solchen bewerten. Die Frage ist dann, wer definiert, was ‘richtig’ und was ‘falsch’ ist ?

Auf der persönlichen Ebene ist es ein Gross- und Klein-mach-Spiel. Das ‘Opfer’ fühlt sich klein und der ‘Täter’ zunächst gross. Fühlt der Täter sich dann schuldig, wird er klein und der andere, der dem Täter vergibt, wird gross. Der Vergebende braucht jemanden, der sich klein fühlt, um zu vergeben, deshalb wird durch das Vergeben ein Ungleichgewicht aufrecht erhalten. Hat der Täter die Chance, sich selbst zu ‘ent’-schuldigen, steht er zu dem, was er gesagt oder getan hat und übernimmt die Verantwortung für sein Tun. Es entsteht ein Gleichgewicht, bei dem sich die Beteiligten wieder auf Augenhöhe begegnen können.

Doch sollte man sich nicht zu allererst selbst vergeben, um in Frieden zu sein? Auch das sich-selbst-vergeben impliziert, dass wir etwas falsch gemacht haben. Das Vergangene muss demnach schlecht oder nicht richtig gewesen sein, doch wer beurteilt das? Wenn wir es selbst beurteilen, dann immer über die Werte eines System, welches uns vorgibt, was richtig und was falsch ist, niemals aus unserer Selbstliebe heraus.

Wir sind die Schöpfer unserer Realität, jede Entscheidung in unserem Leben haben wir selbst getroffen. Wenn wir uns dafür entscheiden, uns selbst nicht zu lieben, dann können wir uns zwar dafür vergeben, sollten aber gleichzeitig erkennen, dass wir das für uns genau so gewählt haben.

 

Die Schöpferebene

Von der Schöpferebene aus betrachtet suchen wir uns ganz bewusst aus, was wir ‘spielen’ wollen. Wenn wir das ‘Spiel’ Schuld und Vergebung so spielen wollen, müssen alle, die mitspielen damit einverstanden sein. Auf dieser Ebene weiss das ‘Opfer’ also ganz genau, auf was es sich einlässt und wie weit es gehen soll. Jeder der Beteiligten macht in diesem Spiel seine Erfahrungen und hat die Möglichkeit, das ‘Spiel’ zu verändern oder ganz auszusteigen. Dazu müssen wir aber erst einmal erkennen, dass wir uns in einer selbstgewählten Situation befinden.

Wer also gerne vergeben möchte, kann dies jederzeit tun, solange er Freude daran hat. In dem Moment, wo wir jedoch erkennen, dass wir eine Situation selbst erschaffen und bewusst gewählt haben, können wir sie beenden, ohne uns selbst dabei klein, gross, gut oder schlecht fühlen zu müssen, das gilt auch für das sich-selbst-vergeben. Wir haben nämlich nichts falsch gemacht sondern sind nur einen Weg gegangen, der vielleicht leidvoll war, wir es aber genau so erfahren wollten, um es zu erkennen. Wir haben dann lediglich einen Umweg genommen.

Wenn wir uns also als Opfer unseres Chefs oder als Fussabtreter in unserer Beziehung fühlen, lohnt es sich, die Froschperspektive einmal zu verlassen und die Situation aus einer neutralen Perspektive, am besten von ‘oben’ zu betrachten. Oder wir schauen ehrlich, was eine Situation in uns auslöst und was wir in dem Moment tatsächlich verändern möchten. Erkennen wir dabei, dass wir hier bewusst ‘mitspielen’, bekommen alle Beteiligten die Möglichkeit auszusteigen. Das Gross-und Klein-mach-Spiel, welches nur durch Leid existieren kann, löst sich dadurch komplett auf und wir finden in unsere wahre Kraft und Grösse zurück. Dort angekommen, werden wir diese ‘Spiele’ in Zukunft nicht mehr benötigen. Das Leiden wird dann als ‘Spiel’ für uns nicht mehr interessant sein, weil wir erkennen, dass wir jederzeit selbst wählen können, was wir erfahren wollen.