Systemkompatibel ?

Systeme

Wir alle kennen Systeme als gesellschaftliche Systeme, politische Systeme, Geldsysteme oder philosophisch-religiöse Systeme. Es gibt aber auch eigene Systeme. Wo befinden wir uns ?

 

Kollektive Felder

Als Kinder sind wir empfänglich für alles, was uns in der äusseren Welt an Informationen angeboten wird. Das hat damit zu tun, dass wir, frisch auf der Erde, uns erst einmal orientieren wollen und uns deshalb in bestimmte Systeme oder kollektive Felder einklinken, um uns und unsere Beziehung zu anderen besser wahrzunehmen. Wir benutzen dazu Familienstrukturen, die uns bestimmte Werte vermitteln, wie zum Beispiel Moralvorstellungen, Feindbilder (was ist gut-was ist schlecht), Mann-Frau-Verhaltensmuster sowie Lebens”ziele” (Geld, Materie, Beruf usw.). Später vermittelt uns dies dann mehr und mehr das Schulsystem bzw. die “Gesellschaft”.

Die bereits bestehenden, vorgegebenen Felder und Systeme haben den Vorteil, dass wir durch sie sehr gut mit anderen kommunizieren können. Wir haben dann die gleiche Religionszugehörigkeit, oder gehören zu Gruppen mit gleichen Interessen (Hobbys, Arbeitsplatz..) und gleichen mit anderen ab, was gut und was schlecht, richtig oder falsch im übergeordneten Sinne ist, also welchen Trends man folgen sollte, welche Krankheiten gerade “in” sind oder vor welchen neuen Feinden man sich schützen sollte usw..

Kollektive Systeme bieten uns vermeintliche Sicherheit, wirken aber einengend in dem Sinn, dass sie uns kaum eigenen Spielraum gewähren. Unsere Meinung ist hier nicht gefragt. Dafür können wir uns bequem “lenken” lassen, wenn wir so gar nicht wissen, was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Man könnte auch sagen, wir schlafen und sind am träumen, mal angenehm, mal unangenehm, können unsere Träume jedoch kaum selbst beeinflussen.

 

Umbruchsphasen

Es gibt im Leben immer wieder Phasen, während derer wir nicht “systemkompatibel” zu sein scheinen und Bestehendes kritisch hinterfragen, anzweifeln oder sogar ablehnen. Das geschieht meist in der Jugend, wo wir uns aus familiären Strukturen lösen und später dann in der Midlife-Crisis und/oder den Wechseljahren, wo Gesellschafts- und Beziehungsstrukturen aufzubrechen drohen und gesehen werden wollen. Je nach dem, wie mutig wir sind, wird dieser Abgleich dazu führen, entweder unsere eigenen Strukturen zu erschaffen und sie mit Leben zu füllen oder uns anzupassen.

 

Eigene Systeme

In unserem eigenen System sind wir unabhängig von vorgegebenen, kollektiven Strukturen, was aber nicht heisst, dass wir überall ausbrechen oder uns absondern müssten, um innerlich frei zu sein, ganz im Gegenteil. Im eigenen System befinden wir uns ausserhalb des Kollektivs auf einer Beobachterposition, von der aus wir sehr wohl mitbekommen, was um uns herum passiert. Wenn wir dann “mitspielen” wollen, z.B. in der Arbeitswelt, tun wir das freiwillig und immer voll bewusst. Im eigenen System zu sein bedeutet aber auch, die volle Verantwortung für alles zu übernehmen, was uns widerfährt. Wenn wir dazu bereit sind, ist das letztendlich die totale Freiheit, weil nichts wirklich grösser oder mächtiger sein kann, als wir. Man könnte auch sagen, wir sind im Schöpfermodus und “wach”.

Allerdings haben wir dann keine Gelegenheit mehr, mit dem Finger auf die scheinbar Verantwortlichen oder bösen Mächtigen zu zeigen und ihnen die Schuld an unserem Zustand zu geben. Das betrifft natürlich auch unsere “kleinen” Feinde wie Mikroben und Bakterien, die uns trotz ihrer Winzigkeit angeblich in die Knie zwingen. Auch Gott oder dem Schicksal können wir dann nichts mehr in die Schuhe schieben, denn wir sind die Verursacher unserer Realität. Es gibt dann auch nichts mehr zu verzeihen oder zu vergeben, weil Schuld immer auf einer Hierarchie basiert, in der sich jemand klein fühlen muss. Je mehr wir aus der passiven Opferrolle herauskommen, desto weniger beeinflussbar werden wir und desto mehr vertrauen wir uns selbst, unserem Körper, unserer Intuition und der Stimme unseres Herzens.

 

Verlust der Zugehörigkeit

Die grösste Angst, den Schritt aus dem Kollektiv zu wagen, ist der Verlust der Zugehörigkeit, denn wir stehen möglicherweise erst einmal alleine da. Die anderen verstehen uns dann vielleicht nicht mehr oder wenden sich von uns ab, weil wir anders denken und handeln, als sie. Das Allein-Sein ist für viele Menschen nur schwer auszuhalten, denn wir sind in dem Moment völlig auf uns alleine gestellt und mit uns selbst konfrontiert. Wir hören dann vielleicht zum ersten mal unsere innere Stimme oder spüren uns und nehmen Gefühle wahr, für die wir bis jetzt im Leben keinen Platz geschaffen haben. Wir zwingen uns damit regelrecht, die Dinge anzuschauen, denn vor uns selbst können wir nicht weglaufen.

Das Geschenk der Eigenwahrnehmung befähigt uns zu erkennen, was in jeder Situation für uns das Beste ist. Richtig und Falsch, Gut oder Schlecht spielen dann nur noch eine untergeordnete Rolle und werden von uns nur noch benutzt, wenn es auch unserer tiefsten inneren Wahrheit entspricht. Dadurch werden wir frei von vorgegebenen Bewertungen und Maßstäben. Wir erschaffen unser eigenes Wertesystem, indem wir dann zum Beispiel freudig Geld geben, weil das, was wir dafür erhalten, unsere volle Wertschätzung bekommt und unser Herz erfreut.
Die Kartoffeln sind dann auf einmal für uns nicht mehr nur ‘teuer’, sondern den Preis wert, einfach weil wir sie lieben und sie uns so gut nähren und uns (im Austausch für den Preis, den wir bezahlen) neue Energie schenken.