In der eigenen Zeit bleiben

zeitqualitaet

“Die Zeit vergeht wie im Flug”
“Die Zeit rast nur so dahin”
“Das dauert ja ewig”

Fast alle haben wir solche Aussagen schon mal getroffen. Doch was bedeutet das eigentlich ?

 

Die äussere Zeit

Genau genommen können wir zwischen zwei Zeitqualitäten unterscheiden. Da gibt es die äussere, getriebene Zeit und die eigene Zeit. Die äussere Zeit wird durch alles bestimmt, was im Aussen abläuft und scheinbar vorgegeben wird, also z.B. Bus- und Zugabfahrtszeiten, Arbeitsbeginne, Verabredungen mit anderen Menschen sowie Zeiträume, in denen bestimmte Dinge ablaufen, also erledigt werden sollen, wie z.B. Vorträge, Frisörbesuche, Reisezeiten usw.

 

Die eigene Zeit

Die eigene Zeit folgt dem eigenen Rhythmus und den eigenen Bedürfnissen, wie schlafen gehen, wenn man müde ist oder zu essen, wenn man hungrig ist. Befindet man sich nicht in der eigenen Zeit, klinkt man sich, meist automatisch, in die äussere Zeit mit ein. Oftmals haben wir dann das Gefühl, dass die Zeit rast, wir uns dadurch unter Druck setzen und “Stress” empfinden.
In der eigenen Zeit befinden wir uns in unserer Mitte oder unserem eigenen Raum. Momentan können immer mehr Menschen zwischen diesen beiden Zeitqualitäten unterscheiden. Während wir vor 20 oder 30 Jahren noch alle brav eine gemeinsame Zeitlinie entlang getrottet sind, fiel uns das kaum auf, da wir in der äusseren Welt immer die gleichen Spiegel hatten, nämlich Menschen, die genau dasselbe taten wie wir.

 

Wo befinden wir uns ?

Seit einiger Zeit jedoch gibt es immer mehr Menschen, die dies unterscheiden können. Manche ziehen sich dann bewusst aus der getriebenen Zeit heraus oder sie gehen den Umweg über das “Burnout”, was eigentlich genau genommen bedeutet, dass wir zurück in die eigene Zeit wollen. Manche Menschen setzen sich auch über physische Krankheiten einen “Stop”, der ihnen dann viel “eigene” Zeit beschert.

Kinder, die in der Schule innerhalb einer bestimmten Zeit ein gewisses Pensum an Aufgaben erledigen sollen, fallen schnell aus der eigenen Zeit und werden dann als langsam oder zurückgeblieben eingestuft. In alternativen Schulen, wie z.B, der Montessori-Schule dürfen sich Kinder Zeit lassen, in ihrem eigenen Rhythmus und ihrer eigenen Geschwindigkeit Aufgaben nachzugehen. Da sie dadurch in ihrer eigenen Zeit bleiben können, bauen sie weniger Widerstände auf und lernen freudiger und erfolgreicher.

 

In die eigene Zeit kommen

Wann immer wir also etwas als stressig empfinden, sollten wir als erstes überprüfen, ob wir uns in unserer eigenen Zeit befinden oder ob wir in der äusseren, getriebenen Zeit mitschwimmen. Um in die eigene Zeit zu kommen, müssen wir uns nicht zwangsläufig aus allem herausziehen. In die eigene Zeit zurück finden wir ganz leicht z.B. durch das neutrale Beobachten von uns selbst. Wir erkennen dabei, dass wir uns die Abläufe im Aussen selbst als Spiegel gesetzt haben, um die eigene Zeit wieder deutlicher zu spüren. Wenn wir also zur Weihnachtszeit durch ein hektisches Einkaufszentrum laufen, können wir uns entweder in die Geschwindigkeit dort einklinken und uns mitreissen lassen, oder aber wir erkennen die an uns vorbei eilenden Menschen als Spiegelung, indem wir sie neutral beobachten und dadurch deutlich wahrnehmen, dass sie sich in einer anderen Zeit befinden, als wir selbst. Durch das neutrale Wahrnehmen können wir uns bewusst dafür entscheiden, in unserer eigenen Zeit zu bleiben, ohne das Einkaufszentrum verlassen zu müssen.
Die eigene Zeit kann man am leichtesten”halten”, indem man sich auf den eigenen Körper konzentriert, z.B. indem man einen (normalen) Atemzug wahrnimmt oder einfach innehält und abwechselnd den linken und rechten Fuss spürt, bis man sich in seiner Mitte fühlt.  Das geht in der Regel sehr schnell und dort angekommen, können wir uns frei auch in Zeitabläufen bewegen, die nicht unserer eigenen Zeit entsprechen, ohne davon mitgerissen zu werden.