Vom Suchen und Finden der Lebens(auf)gabe

Fast jeder von uns hat sich irgendwann einmal die Frage gestellt “Warum bin ich eigentlich hier?” Antworten darauf bieten uns sowohl Religionen, philosophische Ansätze sowie selbsternannte Lifestyle-Coaches in vielen Variationen. Also alle Fragen schon beantwortet ?

Dem Leben einen Sinn zu geben ist zunächst einmal ein “sinn”voller Ansatz, sich dem Leben überhaupt aktiv zu stellen. Die meisten Menschen sind immer noch passive Mitläufer, die sich treiben lassen und die Verantwortung vertrauensvoll an Lehrer, Ärzte oder Politiker abgeben. Ich freue mich deshalb jedes Mal besonders, wenn ich auf Menschen treffe, die auf der Suche sind. Unsere innere Welt, die sich meist über Gefühle und Wahrnehmungen ausdrückt, harmoniert nicht mehr mit dem, was wir im Aussen sehen, hören oder tun. Man könnte diese Erkenntnis auch als Aufwachen bezeichnen. Indem wir die Realität ungefiltert wahrnehmen, enttarnt sich die Scheinwelt um uns herum. Zur Zeit passiert dies global auf dem ganzen Planeten, die Schattenseiten von Glaubenssystemen, politische und gesellschaftliche Lügengebäude sowie wissenschaftliche Dogmen zerfallen bzw. kommen ans Licht. Eine gute Zeit also, das Alte kritisch zu beleuchten und sich selbst neu auszurichten.

 

Die Lebensaufgabe finden

Der Lebensaufgabe wird besonders in spirituellen Kreisen ein hoher Stellenwert eingeräumt. Bei diesem Spiel sind wir aufgefordert etwas zu finden, was wir anscheinend selbst vor uns versteckt haben, um dann Jahre unseres Lebens damit zu verbringen, nach vielen Irrungen und Wirrungen dieses einzigartige Etwas zu entdecken. Für viele von uns gestaltet sich diese selbst gestellte Aufgabe jedoch so schwierig, dass wir dabei eher unglücklich oder sogar depressiv werden. Aufgrund der hohen Erwartung, das Besondere nun endlich finden zu müssen, verlieren wir schnell den Fokus auf unsere wahren Bedürfnisse und Fähigkeiten.

Das “Besondere” ist in jedem Moment vorhanden. Es drückt sich allein schon durch die Einzigartigkeit unseres physischen Körpers mit all seinen Gefühlen und Gedanken aus. Alles weitere, was wir dann in der äusseren Welt tun, resultiert aus der absoluten Annahme der eigenen Besonderheit. Wenn ich meine Eigenheiten als absolute Besonderheit sehe, können sich diese “physikalisieren”, d.h. im Aussen sichtbar werden und wirken.

Male ich gerne oder liebe ich Farben und Bilder und freue mich, dass ich diese Eigenschaft an mir entdeckt habe, kann ich diese “Erkenntnis” zunächst einmal in Liebe einfach nur annehmen. Unser Verstand wird natürlich in Form von übernommenen Glaubensmustern sein “Veto” einlegen, indem er uns z.B. erklärt, dass andere besser malen können als wir, usw. Das darf er auch, denn er ist ein guter Diener, jedoch ein schlechter Herr. Sollte er uns also zuquasseln wollen, nehmen wir seine Einwände erst einmal kritiklos an (denn er wird uns ansonsten nicht in Ruhe lassen). Danach machen wir den Abgleich, wem wir mehr Aufmerksamkeit und Liebe schenken wollen, dem Kopfkarussell oder der Tatsache, dass wir eine Eigenschaft an uns entdeckt haben, die Freude in uns auslöst und unser Herz erblühen lässt.

 

Fähigkeiten

Die Suche nach der Lebensaufgabe impliziert, dass es nur eine wahre Lebensaufgabe gibt, welche man dann an einem besonderen Gefühl oder einer Eingebung erkennt. Wenn wir dann zwanzig Jahre aus vollem Herzen gemalt haben und uns von heute auf morgen die Idee befällt, wir müssten eine Reinigung eröffnen, was davon ist dann unsere wahre Berufung ?

Als Menschen und Schöpfer verfügen wir über unzählige Eigenschaften. Die künstlerischen machen dabei nur einen kleinen Teil aus. In manchen schlummert der Erfindergeist, andere sind gute Zuhörer, Vermittler, Dozenten, Helfer oder lieben generell den Umgang mit Menschen. Die nächsten putzen, kochen, sortieren oder tanzen für ihr Leben gerne, buddeln in der Erde oder klettern auf Berge. Jede Eigenschaft, die wir mit Liebe betrachten, ist eine Besonderheit von uns und in sich absolut wertvoll. Durch die Wertschätzung entfällt das konkurrierende Vergleichen mit anderen, weil jeder Mensch, auch wenn er oberflächlich betrachtet das Gleiche wie ein anderer tut, er es doch in seiner ganz speziellen Art und Weise ausdrückt. Fotografen gibt es wie Sand am Meer, doch kein Bild wird zu hundert Prozent einem anderen gleichen, es sei denn wir sehen unsere Besonderheit in der Anfertigung einer exakten Kopie 😊

 

Was wollen wir ?

Das Gefühl, nicht zu wissen was man will, kenne ich nur zu gut. Auch ich habe mich jahrelang gefragt, ob das denn alles sei, was ich so tue und dabei festgestellt, dass ich an vielen Dingen einen Gefallen fand. Mittlerweile weiss ich, dass es gar nicht so darauf ankommt, was wir tun, sondern vielmehr, wie wir es tun.

Spornt uns unsere Tätigkeit an, noch mehr zu tun ?
Wo möchten wir uns weiterbilden, noch tiefer in die Materie einsteigen ?
Lieben wir, was wir tun und haben wir den Wunsch, dies mit anderen zu teilen ?
Fühlen wir uns abends zufrieden, “geerdet”, in unserer Mitte (trotz Anstrengung) ?
Freuen wir uns auf den nächsten Tag ?
Fokussieren wir uns nur darauf, was bei einer Arbeit für uns herauskommt?
Oder auch darauf, was für uns dabei hereinkommt, uns innerlich bereichert und aufblühen lässt ?
Welchen Stellenwert hat Geld in unserem Wirken ?
Wertschätzen wir, was wir tun ?

Den letzten Punkt halte ich für den wichtigsten. Ohne Wertschätzung kann kein besonderer Wert im Aussen entstehen. Solange wir unsere Arbeit zum “Job” degradieren, wird sie uns niemals innerlich bereichern, und in der äusseren Welt erzielen wir nur minimale Ergebnisse (Mindestlohn).

Ich habe mir angewöhnt, alles wertzuschätzen, was ich tue, selbst das Badputzen. Die Belohnung ist dann ein Badezimmer, was mich “anstrahlt” und erfreut. Selbst wenn wir einen Tag ohne besondere Glücksgefühle erwischen, können wir immer noch aus einer Neutralität heraus handeln. Wir brauchen dann im Aussen nichts abzuwerten und bleiben dabei in unserer Grösse und Integrität.

 

Der Entdecker und der Visionär

Hier eine keine Übung, um die eigenen Talente oder Fähigkeiten zu entdecken. Äussere oder “denke” zunächst den Wunsch, dass du deine Fähigkeiten entdecken möchtest. Dann bleibe in der Beobachterposition und schau, was passiert. Entdeckst du zunächst nichts, gehe in der Beobachterposition durch den Tag. Abends kannst du dann reflektieren:
Was war heute anstrengend, was fiel dir leicht ?
Wobei verging die Zeit schnell, wobei langsam ?
Hattest du Ideen oder Eingebungen ?

Falls du immer noch nichts entdeckt hast, kannst du auch deinen inneren Heiler befragen:

Was hilft mir, mich zu entspannen ?
Was hilft mir, mich innerlich zu sammeln und zu regenerieren ?
Was hilft mir, in meine Mitte zu kommen und Kraft zu tanken ?

Für manche Menschen haben künstlerische Betätigungen wie Schreiben oder Malen einen Heileffekt, andere erden sich im Garten, beim Sport oder beim Aufräumen. Für mich z.B. hat Musik das grösste Potential der Heilung, was mit ein Grund war weshalb ich angefangen habe, selbst Musik zu machen.

Hast du eine Fähigkeit in dir entdeckt, kannst du den Visionär aufs Parkett rufen. Jetzt ist alles erlaubt, du darfst dir alles vorstellen, was du möchtest, dein Ego darf so richtig in Aktion treten und sich ganz toll finden. Wenn du Musik magst, dann kannst du dir z.B. vorstellen, wie du ein Instrument spielst, in den tollsten Tönen singst, Melodien komponierst, vor Publikum musizierst, ein Konzert gibst, ein Musikvideo drehst usw. Je mehr du darin aufgehst, umso besser. Der Visionär funktioniert ähnlich dem Dominoeffekt. Einmal angestossen, kommen immer mehr und mehr Aspekte dazu.

Manchmal passiert es mir, dass ich frühmorgens aufwache und schon Melodien oder Ideen im Kopf habe. Auch wenn ich nur einen Bruchteil davon umsetze, hält es meinen Visionär aktiv, sodass ich keine Sorgen haben muss, dass mir mal die Ideen ausgehen.

 

Sich trauen

Wenn man Menschen befragt, was sie lieben oder gerne tun möchten, haben die meisten zumindest ansatzweise ein Idee dazu, trauen sich aber nicht etwas neues anzufangen, entweder aus Versagensangst oder aus Furcht vor Konkurrenz. Wir alle haben eine Erziehung hinter uns, die uns zum Objekt degradiert hat, in Form von Leistung und kritiklosem Übernehmen von Verhaltensregeln.

Leiden wir an Versagensangst, meist gekoppelt an ein Gefühl von Scham und Minderwertigkeit, können wir uns bewusst machen, dass wir in unseren früheren Jahren dieses Gefühl als Selbstschutz angenommen haben, um unsere Zugehörigkeit nicht zu verlieren. Jetzt sind wir erwachsen und die damals Mächtigen haben keinen Einfluss mehr auf uns (siehe auch mein Blogpost Selbstwert). Hier hilft nur Mut, einfach mal mit etwas anzufangen. Schlimmstenfalls entdeckt man, dass es nicht passt, lässt es sein und probiert etwas anderes aus.

Das Gefühl von Konkurrenz entsteht ebenfalls aus der Minderwertigkeit heraus (die anderen sind immer besser), ist aber aktiver, weil es zusätzlich noch ein Feindbild aufbaut. Dazu gesellt sich auch gerne noch das Bedürfnis nach Anerkennung. Andere sollen bestätigen, dass wir auch wirklich etwas Besonderes sind. In diesem Fall ist es hilfreich, wenn wir etwas neues anfangen, es erst einmal ganz für uns alleine zu tun, um uns dann so richtig in die Sache zu verlieben. In der Liebe fliesst die Energie in unser Tun und von dort aus wieder zu uns zurück.

Durch die Freude und das Annehmen und Wertschätzen unserer Tätigkeit machen wir uns selbst das grösste Geschenk der Anerkennung. Auch das Messen mit anderen fällt weg, denn durch die Anerkennung und Wertschätzung unseres Tuns können wir auch die Werke vermeintlicher Konkurrenten respektvoll anerkennen und ihnen einen Platz gewähren.

Lebensfreude, Mut, Offenheit und ein liebe- und respektvoller Zugang zu uns selbst sind unsere mächtigsten Verbündeten. Zusammen mit dem Entdecker und dem inneren Visionär sind sie ein starkes Team, welches uns hilft selbstbestimmt und freudvoll zu leben.

Lebenssinn bedeutet für mich, in jedem Moment ganz bewusst “da” zu sein und dabei unsere Multidimensionalität immer wieder neu zu entdecken.
Freuen wir uns auf jeden neuen Tag, in Liebe und Dankbarkeit 💛