«Die Zeit vergeht wie im Flug», «die Zeit rast nur so dahin», «das dauert ja ewig». Wir alle haben solche Aussagen schon einmal gehört oder selbst getroffen. Doch was bedeuten sie eigentlich?

Wir können grob zwischen drei Zeitqualitäten unterscheiden, der äusseren, laufenden Zeit, der eigenen Zeit und der Zeitlosigkeit jenseits von Zeit und Raum. Die äussere Zeit wird durch alles bestimmt, was im Aussen vorgegeben wird und danach abläuft, also zum Beispiel Bus- und Zugabfahrtszeiten, Arbeitsbeginne, Verabredungen mit anderen Menschen sowie Zeiträume, in denen bestimmte Dinge stattfinden sollen, wie zum Beispiel Vorträge, Frisörbesuche oder Reisezeiten.

In der eigenen Zeit bewegen wir uns aus unserer Mitte heraus in unserer eigenen Geschwindigkeit. Die eigene Zeit folgt dem eigenen Rhythmus und den eigenen Bedürfnissen wie schlafen gehen, wenn wir müde sind oder zu essen, wenn wir hungrig sind. Bewegen wir uns nicht in unserer eigenen Zeit, klinken wir uns meist automatisch in die äussere Zeit mit ein. Die äussere, laufende Zeit entspricht jedoch in den meisten Fällen nicht unserer eigenen Zeit. Wir bekommen dann das Gefühl, dass die Zeit entweder zu langsam vergeht oder rast und empfinden das als «stressig».

Kinder, die in der Schule innerhalb einer bestimmten Zeit ein vorgegebenes Pensum an Aufgaben erledigen sollen, fallen schnell aus der eigenen Zeit und werden deshalb als langsam oder zurückgeblieben eingestuft. In alternativen Schulen wie zum Beispiel der Montessori-Schule, dürfen sich Kinder Zeit lassen, in ihrem eigenen Rhythmus und ihrer eigenen Geschwindigkeit Aufgaben nachzugehen. Dadurch bauen sie weniger Widerstände auf und lernen freudiger und erfolgreicher.

Die eigene Zeit wahrnehmen

Jeder von uns bewegt sich von Natur aus in seiner Zeit in seiner ganz eigenen Geschwindigkeit. Die Materie um uns herum kann uns deshalb im Vergleich zu unserer eigenen Geschwindigkeit manchmal langsamer oder auch schneller erscheinen. Sobald wir uns in unserer Zeit bewegen, erfahren wir die einzelnen Situationen während des Tages immer aus dem Augenblick des Moments heraus. Wir haben dann das Gefühl, dass sich unsere eigene «Erlebniszeit» ausdehnt.

Ruhe und Gelassenheit

Die physische Ebene ist eine sehr langsame und ruhige Energieebene, in der auch wir uns, selbst wenn wir rennen, nicht schnell bewegen. Im Vergleich dazu sind unsere Gedanken und Emotionen sehr schnell. Durch die bewusste Wahrnehmung der physischen Ebene können wir Ruhe und Kraft in uns jederzeit aktivieren. Unser physischer Körper dient uns dabei als Quelle der inneren Ruhe und Gelassenheit.

In die eigene Zeit kommen

Wann immer wir etwas als stressig empfinden, sollten wir als erstes überprüfen, ob wir uns in unserer eigenen Zeit bewegen oder ob wir uns der äusseren, laufenden Zeit anpassen. Um in die eigene Zeit zu kommen, müssen wir uns nicht zwangsläufig aus allen äusseren Abläufen herausziehen. Nachfolgend erhältst du einige Anregungen, wie du leichter und spielerischer mit der Zeit umgehen kannst.

Die eigene Zeit können wir am leichtesten «halten», wenn wir uns auf den physischen Körper konzentrieren. Es reicht aus, einfach innezuhalten und ein paar ganz normale Atemzüge wahrzunehmen. Stehst du zum Beispiel an der Bushaltestelle, kannst du abwechselnd deinen linken und rechten Fuss spüren, bis du dich in deiner Mitte fühlst. Das geht in der Regel sehr schnell. Aus deiner eigenen Zeit heraus bist du in der Lage, dich frei in Zeitabläufen bewegen, die nicht deiner eigenen Zeit entsprechen, ohne hineingezogen zu werden.

Hin und wieder passiert es, dass wir die äussere Zeit als hektisch wahrnehmen. Wenn wir während der Weihnachtszeit durch ein überfülltes Einkaufszentrum laufen, werden wir manchmal unbewusst in diese Zeitströme hineingezogen. Wenn wir dann nach Hause kommen, fühlen wir uns müde und erschöpft. Um das zu vermeiden, hilft uns das neutrale Beobachten unseres Umfelds. Wir nehmen dabei ganz bewusst wahr, dass sich andere Menschen in einer Geschwindigkeit bewegen, die nicht unserer eigenen entspricht. Die Abläufe im Aussen dienen uns als Spiegel, um unsere eigene Zeit wieder bewusst wahrzunehmen und uns darin zu bewegen, ohne das Einkaufszentrum verlassen zu müssen.

Wenn du einen wichtigen Termin hast, kannst du dir diesen Termin als «Punkt» in die laufenden Zeit setzen. Nimm dazu deine eigene Zeit wahr. Aus der inneren Ruhe heraus stell dir vor, wie du «pünkt»lich und gelassen bei deinem Termin ankommst.

Wenn wir uns in unserer eigenen Zeit wahrnehmen, fangen wir automatisch an uns selbst mehr zu lieben und unsere Besonderheit wahrzunehmen, einfach weil wir für uns «da» sind. Dadurch können wir ganz leicht und aus der Freude heraus durch den Tag gehen und zu jedem Zeitpunkt aus der inneren Ruhe und Kraft heraus handeln. Je mehr wir das «üben», desto mehr werden andere Menschen uns wahrnehmen und denken: «Wow, ganz schön gelassen». Wir machen ihnen damit ein Angebot, sich an ihre eigene Zeit zu erinnern und selbst ruhiger und gelassener zu werden.

Übung:

Erledige etwas in deiner eigenen Geschwindigkeit und nimm die Zeit dabei ganz bewusst wahr. Fühle, wie du aus deiner Mitte heraus handelst.

Experimentiere damit, am Wochenende oder im Urlaub alle Uhren zeitweise zu verbannen. Du bekommst dadurch eine ganz andere Wahrnehmung der Zeit.


Zum Nachdenken:

Wer kreiert die Zeit? Wenn wir es schaffen, unsere eigene Zeit zu erzeugen, dann können wir auch die äussere Zeit damit beeinflussen.

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