Wozu sind Emotionen da

Emotionen scheinen eine grosse Bedeutung zu haben, wenn es um unser psychisches Wohlbefinden geht. Emotionen zulassen, Ängste loslassen, Trauer erlösen, Wut transformieren..was ist dran an solchen Aussagen ?

Wie alles auf der physisch-menschlichen Ebene werden auch Emotionen gerne in gute und schlechte Emotionen eingeteilt, also welche, die sich angenehm und andere, die sich eher unangenehm anfühlen. Die negativen Emotionen wie Wut, Neid oder Trauer gilt es zu transformieren, damit wir von ihnen nicht mehr belästigt werden. Die positiven Emotionen wie Liebe, Glück und Freude sollen sich am besten von selbst vermehren und uns dann dauerhaft «glücklich» machen. Die unangenehmen Emotionen scheinen demnach ein Irrtum der Natur oder gar eine menschliche Fehlfunktion zu sein, die es zu korrigieren gilt. Herzöffnung und das Vermehren von Liebe und Freude sind mittlerweile zum höchsten (Lebens-)Ziel geworden und haben die Erleuchtung damit abgelöst. Wozu sind die negativen Emotionen überhaupt noch da?

Signalgebung

Emotionen sind für mich wie Signalgeber. Im Gegensatz zu den angenehmen Emotionen wie Liebe, Freude und Glück, die aus sich selbst heraus entstehen können, brauchen Wut, Neid und Eifersucht immer einen Startpunkt im Aussen. Ich kann Liebe und Freude empfinden, wenn ich im Garten sitze und mich einfach nur wahrnehme, während mir das mit Wut nicht gelingt. Selbst wenn wir auf uns selbst wütend sind, dann nur deshalb, weil wir nicht den Erwartungen entsprechen, die wir uns selbst gesetzt und von der Aussenwelt übernommen haben.

Wut und Frustration geben uns das Signal, dass wir etwas verändern möchten. Sie stellen uns dazu den nötigen Antrieb und die Kraft zur Verfügung, indem sie eine Bewegungsenergie erzeugen, die wir in Aktion umsetzen können. Natürlich müssen wir um Veränderungen zu bewirken nicht jedes Mal wütend oder frustriert werden, das wäre anstrengend und auf Dauer auch unangenehm. Je offener und bewusster wir jedoch durchs Leben gehen, desto weniger brauchen wir negative Gefühle als «Motor», einfach weil wir Missstände schon erkennen, bevor wir einen Widerstand dazu aufbauen.

Negative Emotionen in Bezug auf anderen Menschen

Sind wir wütend auf den Partner oder andere Menschen, wird sich die Wut meistens als Wortschwall in Form von Streit entladen. Auch hier bekommen wir Kraft, um Unstimmigkeiten zu klären. Um negative Emotionen nicht auf andere zu projizieren, können wir auch die Ebenen wechseln. Wenn also unser Partner zum wiederholten Mal den Müll nicht entsorgt, entspricht er zwar nicht unseren Erwartungen, ist aber nicht unbedingt der «Böse». Wir sollten also zuerst einmal bei uns selbst schauen, wo unser Zorn und die damit verbundenen Erwartungen überhaupt herkommen und von wem wir sie übernommen haben. Um die «Müll-Frage» zu klären haben wir natürlich zahlreiche Möglichkeiten, und mir geht es hier auch nicht um Lösungen, sondern um Perspektiven. Wechseln wir auf die neutrale Ebene, können wir unsere eigenen Reaktionen schnell durchschauen, vorausgesetzt wir übernehmen die Verantwortung dafür und sind absolut ehrlich zu uns selbst.

Sind wir neidisch auf jemanden, dann meist deshalb, weil der andere etwas besitzt, was wir selbst nicht haben. Neid ist dazu da, uns unsere Wünsche einzugestehen und bewirkt, dass wir unser Leben überdenken und es uns einfach besser gehen lassen.

Negative Emotionen loslassen

Aus der Sicht heraus, dass Emotionen uns wichtige Signale setzen macht es für mich wenig Sinn zu versuchen, Wut loszulassen oder zu transformieren. Ich habe früher selbst damit gehadert, konnte aber zu keinem befriedigendem Ergebnis kommen. Zudem hatte ich immer das Gefühl, dadurch etwas nicht sehen zu wollen. Als vollkommene Wesen steht uns immer alles zur Verfügung, was wir benötigen, um etwas zu erkennen. Allein aus dieser Perspektive erscheint es unlogisch etwas loswerden zu wollen, was in sich eigentlichnützlich und sinnvoll ist.

Emotionen  zulassen

Manche Menschen machen sich Sorgen, dass sie weniger fühlen als andere, weil sie zum Beispiel nicht wirklich Trauer empfinden, weinen oder Freude zeigen können. Die Emotionsebene existiert gleichwertig neben allen anderen Ebenen, wie zum Beispiel die  geistige oder physische Ebene, die uns als Menschen zur Verfügung stehen. Es gibt viele Menschen, die einfach gesagt mehr im Geist sind und diese Ebene benutzen. Sie haben viel weniger Bezug zu emotionalen Schwankungen und bewegen sich lieber in geistigen oder mentalen Feldern. Ich empfinde das als völlig in Ordnung, man ist deshalb nicht besser oder schlechter als andere. Sehr körperlich orientierte Menschen können Emotionen gut wahrnehmen, verlieren sich aber kaum darin, einfach weil sie lieber etwas «tun» und damit Emotionen schneller umsetzen oder abbauen.

Woran merkt man nun, ob man Emotionen möglicherweise verdrängt? Im Gegensatz zu dem Empfinden von nur wenig Emotionen, was sich für die Betroffenen normal anfühlt, empfinden wir unterdrückte Emotionen immer als unangenehm. Wir fühlen uns gestaut, unter Druck oder sogar kraftlos, weil das Verdrängen noch zusätzliche Kraft kostet. Manchmal können dabei auch Blockaden im Körper entstehen, die sich dann als Schmerzen äussern.

Das Positive an positiven Emotionen

Im Gegensatz zu den negativen Emotionen brauchen angenehmen Emotionen wie Liebe, Freude und Glück keinen Auslöser, auch wenn wir meinen, dass diese sich erst einstellen, wenn der richtige Partner gefunden und das Konto gefüllt ist. Deshalb lassen wir uns oft nicht auf diese Emotionen ein, weil wir befürchten, dass ein an äussere Bedingungen geknüpftes Glück uns auch wieder verlassen könnte. Sind wir aus uns selbst heraus glücklich, einfach weil wir hier als Mensch auf der Erde sind und erkennen, dass wir unzählige Möglichkeiten haben unser Leben zu gestalten, werden wir dadurch auch die Liebe zu uns selbst vermehren und wachsen lassen. Während unangenehme Emotionen verschwinden, wenn sie ihre «Botschaft» überbracht haben, sind die angenehmen Gefühle immer da, sobald wir an sie denken und sie damit aktivieren. Oder wie ein buddhistischer Lama einmal sagte: Man rennt um die Küchentisch und jagt dem Glück hinterher, erwischt es aber nie richtig. Bleibt man stehen, spring es einem auf den Rücken.

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